Dank Modifikationen zu neuen Höhenflügen

Mein letzter Eintrag ist schon eine Ewigkeit her. Man könnte meinen, dass ich einen sechsmonatigen ‘Winterschlaf’ als neue Trainingsmethode ausprobierte. In der Tat musste ich meine Aktivitäten zeitweise auf ein Minimum beschränken. Jedoch nicht ganz freiwillig.

Ende Juli kehrte ich mit einem gebrochenen Schlüsselbein aus Schweden zurück und musste dieses operativ mit einer Titanplatte stabilisieren. Die Operation verlief sehr gut und ich durfte auch mal den ‘Vollnarkose-Trip’ erleben. Danach blieb mir nichts anderes übrig, als zwei Wochen auf Sport zu verzichten und das Leben etwas geruhsamer zu gestalten. Vier Tage nach der Operation bekam ich die Gelegenheit der Bevölkerung des Bündner Dorfs Maloja eine Einführung in den OL-Sport zu geben. Anschliessend wurde mir die Ehre erteilt die 1.-August Ansprache zu halten. Eine tolle Erfahrung in jeder Hinsicht. Ich freue mich bereits auf einen erneuten Besuch der Region im Rahmen der Swiss-O-Week 2016.
Nach der zweiwöchigen Zwangspause startete ich wieder mit dem Training. Durch die eingeschränkte Beweglichkeit konnte ich nur zuhause auf dem Spinning Velo trainieren. So spulte ich täglich meine Kilometer ab, ohne auch nur einen Meter vorwärts zu kommen. Schon bald machte sich eine unangenehme Monotonie im Trainingsalltag bemerkbar, welcher ich mit einer grossen Portion an Motivation entgegen trat. Trotz der Bedenken meines medizinische Betreuerteams, hatte ich schon ab dem ersten Tag nach der OP ein Ziel im Kopf. Ich wollte 7.5 Wochen später wieder OL im alpinen Gelände machen, um an den Testläufen für das Weltcupfinale in der Schweiz zu laufen. Dieses Ziel half mir dabei mich jeden Tag auf dem Velo zu quälen und nach vorne zu blicken.
Und tatsächlich verlief die Heilungsphase so erfreulich, dass ein Start an den besagten Rennen zur Realität wurde – unter einer Auflage. Ich musste garantieren, dass ich nicht auf das Schlüsselbein stürzen werde. Diese zusätzliche Herausforderung habe ich natürlich gerne angenommen:).
Die beiden Rennen waren eine riesige Belastung für meinen Bewegungsapparat. Das ruppige Gelände forderte mir alles ab und machte sich in den folgenden Tagen in Form eines schönen Muskelkaters nochmals bemerkbar. Dennoch konnte ich sehr zufrieden sein. Die Disziplin im Alternativtraining zahlte sich aus und ich verpasste eine Selektion für das Weltcupfinale nur knapp, hatte jedoch die Gewissheit bereits wieder einigermassen fit zu sein, für das folgende Euromeeting in Estland.

Rangliste Mitteldistanz

Rangliste Langdistanz

2015_09_EuromeetingSprint_4Drei Tage später reiste ich mit immer noch leichtem Muskelkater nach Estland, um mich im internationalen Teilnehmerfeld am Euromeeting zu beweisen. Innerhalb von drei Tagen galt es einen Sprint, eine Mittel- und eine Langdistanz zu absolvieren. Obwohl ich das Gefühl hatte bereit für diese Herausforderung zu sein, war ich es leider nicht. Das zielgerichtete Training und die Gratwanderung der letzten Wochen hatte ihren Tribut gezollt. Ich konnte mich während der Wettkämpfe zwar nochmals voll ans Limit pushen und im physischen Bereich einigermassen mithalten. Ich kämpfte jedoch mit anderen Problemen. In der Langdistanz bekam ich während dem Lauf ein Problem mit meinem linken Auge. Ich sah nur noch verschwommen und bis ins Ziel verschlechterte sich die Sicht kontinuierlich. Im Nachhinein habeich erfahren, das solche Probleme bei starker Erschöpfung auftreten können. Zum Glück ging es nach dem Lauf so schnell vorbei, wie es gekommen ist. In der Mitteldistanz hatte ich zwar klare Sicht, doch meine Leistung wurde dadurch auch nicht besser. Ein grober Aussetzer führte zu einem riesigen Fehler. Ich las zum falschen Posten und realisierte das Missgeschick erst eine Ewigkeit später. Etwas was mir sonst nie passiert. Aber wohl auch dafür spricht, dass ich mental völlig ausgelaugt war. Zwischen den Wettkämpfen nutze ich jede freie Minute um zu schlafen und versuchte mich genügend zu erholen. Unter diesen Umständen konnte ich mich leider nicht in den vorderen Plätzen der Rangliste wiederfinden und musste mich mit den Plätzen 35,37 und 80 begnügen.

Resultate Euromeeting

Zurück in der Schweiz gab ein paar ruhigere Tage, aber danach galt es den Fokus voll und ganz auf das Bahntraining zu legen, damit es mir gelingt, meine PB in über diese Distanz zu verbessern. Doch schon bald merkte ich, dass mein linker Fuss sich dagegen sträubte. Eine wiederkehrende Entzündung zwischen dem Deltaband und dem Malleolus zwang mich schon nach kurzer Zeit zu einer Laufpause. Trotz dem Verzicht auf Lauftrainings und der wöchentlichen Physio- und Stosswellentherapie, konnten keine merklichen Fortschritte erzielt werden. Trotz der Probleme entschied ich mich noch einmal die OL-Schuhe zu schnüren, um an der Schweizermeisterschaft über die Mitteldistanz anzutreten. Die Schmerzen konnte ich während dem Lauf gut ausblenden und ich lief zu meiner eigenen Überraschung auf den sehr guten 7. Rang (Rangliste). Eine kleine Aufmunterung in einer für mich schwierigen Zeit. Denn kurze Zeit später war der Entscheid gefallen, dass eine Operation am linken Fuss unumgänglich ist. So durfte ich mich am 9. Dezember bereits zum zweiten Mal innerhalb von 4 Monaten unters Messer legen.

Seit der Operation sind nun auch schon wieder 2 Monate vergangen. Der Eingriff ist sehr gut 2016_02_TL_POR_2_kleinverlaufen und die Heilungsphase ging rasch voran. Schon bald konnte ich wieder mit leichtem Sport auf dem Velo beginnen. Mit dem Lauftraining hapert es jedoch noch. Auf gute Phasen mit mehreren kurzen Lauftrainings pro Woche, folgen wieder Phasen wo ich ausschliesslich alternativ trainieren kann. Nun gilt es weiterhin Geduld zu haben, sodass ich in naher Zukunft wieder einmal ohne Schmerzen durch die Wälder brausen kann, um dort weiter zu machen, wo ich Ende Juli aufgehört habe!

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